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stellen eine Verbindung zwischen der Vorstellungswelt und den Informations- bzw. Denkräumen im Kosmos her. Sie sind einerseits Vorstellungen und stammen andererseits aus der Auseinandersetzung der Menschen mit den Dingen des Kosmos. Vereinfacht ausgedrückt: Sie sind einerseits Phantasieprodukte andererseits wahre, geprüfte Aussagen über den Kosmos.
Da sie in der Zeit existieren wandeln sie sich. Es gibt grundsätzlich drei Richtungen der Transformation: Sie können in etwa so bleiben wie sie sind, mit geringen Verschiebungen im Verhältnis zwischen den beiden Anteilen. Sie können überprüft werden und sich dabei schließlich in Wissen über den Kosmos auflösen. Und sie können zu mehr oder weniger vollständigen Phantasie in der Vorstellungswelt mutieren. Meist wird es Aufspaltungen der Mythen geben.
Homers Sagen waren perfekte Mythen, bis Heinrich Schliemann die Texte für bare Münze nahm, zu graben begann und schließlich Stätten der Ilias in der Türkei und andernorts fand. Zumindest Teile der alten Erzählung verwandelten sich in historisches Wissen. Die soziale Vorstellung von der Erde als einer Scheibe mit Jerusalem im Zentrum erwies sich im Zeitalter der Entdeckungen als Nicht-Wissen. Die Vorstellung von den Antipoden, den Kopffüßlern, auf der Unterseite der Scheibe wanderte komplett in die Phantasiewelt.
Mehr zu den Mythen und ihrem unvermeidlichen Wandel in M. Giesecke 'Mythen der Buchkultur'.