Anwendung der Modelle



Triadentrias als Grundlagen wissenschaftlicher Disziplinen und Professionen

Sobald wir uns oder als Angehörige einer Profession oder wissenschaftlichen Disziplin bestimmten Ausschnitten der Wirklichkeit zuwenden und sie triadisch analysieren, entwickeln wir spezielle triadische Modelle und wenden diese immer wieder an. Es kann sinnvoll sein, zur Stabilisierung von Forschungs-, Beratungs- oder anderen praktischen Perspektiven, eine gewisse zeitlang mit immer den gleichen Triaden zu arbeiten. Axiomatische Festlegungen von Modellen erleichtern die Kooperation mit anderen und führen zu intersubjektiv überprüfbaren und falsifizierbaren Ergebnissen.
Ein Beispiel einer in dieser Weise axiomatisierten Triade ist das triadische Kommunikationsmodell, das Kommunikation als das emergente Produkt von Informationsverarbeitung, Vernetzung, Spiegelung behandelt. (Giesecke 2007)
Die Kommunikationswissenschaft, die sich vorrangig als ein interdisziplinäres sozialwissenschaftliches Projekt versteht, hat auf die triadischen Modelle der Psychoanalyse (Freud), die Trias des Dritten in der Soziologie (Simmel) u. a. zwar gelegentlich zurückgegriffen, aber sie weder bevorzugt noch weiterentwickelt. Gleichwohl besitzt die Kommunikationswissenschaft eine besondere Bedeutung für das triadische Denken. Seit Shannon/Weaver gehört das nachrichtentechnische Grundmodell: Sender – Nachricht/Medium – Empfänger zur theoretischen Basis dieser Wissenschaft und dieses Modell läßt sich als Triade rekonstruieren. Wird sie als Untersuchungszelle in den empirischen Arbeiten unterschritten, verfehlen die Kommunikationswissenschaftler meist ihren Gegenstand ‘Kommunikation’ und beschäftigen sich mit Teilprozessen, die, wie die Rezeption oder Produktion von Informationen, auch von anderen Disziplinen behandelt werden können. Ähnliches gilt auch für die Medienwissenschaften. Solange sie die Medien nur entweder als Informations-, Vernetzungs- oder Spiegelungsmedien begreifen, verharren sie auf Feldern, die schon von anderen Disziplinen besetzt sind. Von Kommunikationsmedien sollte man erst sprechen, wenn beliebige Phänomene alle drei Leistungen erbringen bzw. so analysiert werden, daß die drei Faktoren parallel zur Beschreibung herangezogen werden.
Vermutlich hängt der Aufschwung der Kommunikations- und Medienwissenschaften gerade damit zusammen, daß sie dabei sind, ihren Gegenstand als einen zu entwerfen, der sich homogenen und binären Klassifikationen entzieht und die Komplexität einer inhomogenen Triade erreicht.
In der Abbildung ist die kommunikationswissenschaftliche Basistriade, die Medien, Kommunikatoren und Informationen unterscheidet, zu einer Triadentrias ausgebaut. Natürlich sind auch andere Belegungen der Faktoren der Faktorentrias denkbar. Immerhin mag das Modell eine weitere Vorstellung von einem triadischen disziplinären Dreiebenenmodell, einer Triadentrias für epistemische soziale Systeme geben.
Objekte der Kommunikations- und Medienwissenschaft (Triadentrias)

anwendung_ntd, id1260, letzte Änderung: 2021-05-12 16:26:57